Meine Überzeugung: Atemtypgerechte Stimmbildung

Während meiner Studienzeit wurde nicht viel Wert auf das Fach Stimmphysiologie gelegt. Schon damals beschloss ich, mich eines Tages mit diesem Thema intensiv zu beschäftigen. Ich wollte später mal einen konkreten Gesangsunterricht geben.

Trotz umfangreicher Recherchen fand ich dennoch nicht das was mich diesem Ziel näher gebracht hätte. Vielleicht weil ich nicht wirklich wusste was ich suchte. Außerdem wurde die moderne Stimmforschung erst in den 70er/80er Jahren so richtig publik, da stand ich schon längst auf der Bühne.

Die unglaubliche Konzentration, ja fast monomane Ausrichtung auf den Sängerdarstellerberuf wusch mir meine avantgardistischen Flausen schnell aus dem Kopf und ich vergaß das Unternehmen „Alternativer Gesangsunterricht“! Im Laufe des Berufslebens wurde mir zudem die ungeheure Verantwortung - die ich so früh hatte auf mich nehmen wollen - bewusst, so dass ich trotz vieler Anfragen diese Herausforderung lange hinaus zögerte.

Auf der Suche nach einer physiologischen Methode, die für alle auszubildenden Sänger in gleicher Weise wirksam sei, begegnete ich dem großen alten Mann Professor Cornelius L. Reid. Er beleuchtete funktionale Zusammenhänge völlig neu, und lehrte mich anders zu hören. Viele Hürden konnten überwunden werden und erstaunliche Fortschritte wurden erzielt. Die eine gültige Formel schien gefunden zu sein.

Dennoch sprachen einige meiner Studenten unüberhörbar besser auf die methodische Umstellung an als andere. Nach weiteren Kursen bei Prof. Reid begann etwas in meinem Hinterkopf zu ticken.

In diese Zeit fiel die Bekanntschaft mit Romeo Alavi Kia. Auch er arbeitete mit vielen meiner Schüler, und plötzlich schien alles “terlusollogisch”:

Es konnte ein Trennungsstrich gezogen werden: Schüler bzw. Übungen waren eindeutig entweder dem lunaren oder dem solaren Atemtyp zuzuordnen. Nur die sog. „Fragezeichentypen“ blieben in Bezug auf Eindeutigkeit die Ausnahme.

Erst jedoch die Begegnung mit den Ärzten Dr. med. Charlotte und Christian Hagena ermöglichte mir umfassende Einsichten in die Prinzipien der „Terlusollogie®“. Missverständnisse konnten ausgeräumt und neueste Erkenntnisse dazugewonnen werden. Seither sind die Erfolge einer gezielten, individuellen Stimmbildung nicht mehr zu leugnen. Es gelingt auch immer leichter die Gruppe der „Unbestimmten“ - wie ich die Fragezeichen nenne! - typengerecht zu polarisieren.

Inzwischen wächst, in meinem persönlichen Umfeld, das Interesse junger Mediziner an der bipolaren Sache, und zwar über die Veränderungen an den eigenen Stimmen. Sie opfern Zeit, graue Zellen und Fantasie um mir - bei aller gebotenen Skepsis - behilflich zu sein, den Atemtypen “streng wissenschaftlich” auf die Spur zu kommen...
Copyright © 2003 by Brigitta Seidler-Winkler. Alle Rechte vorbehalten.